ePortfolioarbeit | Bildquelle: pixabay.com

ePortfolio als Schlüssel-System für Lebenslanges Lernen

Das Projekt EPASS der Universität Konstanz

Die zentrale Aufgabe der LehrerInnenbildung ist die Professionalisierung der angehenden Lehrpersonen. Mit Hilfe des Studiums und des Vorbereitungsdienstes sollen sie zu ExpertInnen für das Lehren und Lernen werden und sich als FachwissenschaflterInnen, FachdidaktikerInnen und BildungswissenschaftlerInnen gleichermaßen verstehen. Dabei gilt es diese verschiedenen (Anforderungs-)Bereiche miteinander in Beziehung zu setzen und sinnvoll zu verknüpfen. Darüber hinaus sollen die in der universitären Ausbildungsphase erworbenen Kompetenzen in die praktische Ausbildungsphase transferiert werden, so dass das Handeln theoriegeleitet erfolgt. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist die Reflexionskompetenz. Das ePortfolio kann helfen, diese zu fördern und auszubauen. Die Portfolioarbeit unterstützt zudem die selbstregulativen Fähigkeiten der AnwenderInnen, welche grundlegend für das lebenslange Lernen sind.


Projektziele

Die Ziele von EPASS lassen sich folgendermaßen formulieren:

  • Die Studierenden eignen sich durch die Portfolioarbeit Reflexionskompetenz an, indem sie ihr Wissen, ihre Kompetenzen und ihr Handeln hinterfragen und in Beziehung zueinander setzen.
  • Die Studierenden erlangen durch die Reflexion der verschiedenen Ausbildungsteile ein besseres Professionsverständnis und können dadurch ihr Handeln theoriegeleitet begründen.
  • Durch die Verknüpfung der Theorie- und Praxisphasen erfolgt ein Theorie-Praxis-Transfer.
  • Mit Hilfe des ePortfolios werden die Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaft in Beziehung zueinander gesetzt, so dass die Studierenden eine vernetzte Wissensbasis aufbauen.
  • Das ePortfolio ermöglicht durch die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Professionalisierung die Entwicklung eines fundierten pädagogischen Selbstkonzepts. · Die Studierenden können durch die Reflexion der eigenen Haltungen und Einstellungen gegenüber dem Beruf, dem Unterrichten und der Schule ihre individuelle Eignung für den Lehrberuf hinterfragen und prüfen.
  • Die Arbeit mit dem ePortfolio fördert die Selbstregulation der Studierenden und legt somit einen wichtigen Grundstein für das lebenslange Lernen.
  • Durch den Umgang mit dem Medium ePortfolio erwerben die Studierenden Medienkompetenz und digitale Kompetenzen (digital literacy).

Umsetzung

Das Konstanzer ePortfolio soll die Professionalisierung der Lehramtsstudierenden unterstützen. Hierbei steht der Lernprozess im Fokus der ePortfolioarbeit, so dass sich für das Reflexionsportfolio entschieden wurde. Dieses dient dabei sowohl als Lernprozessportfolio als auch als Beurteilungsportfolio und wird mit der Open-Source-Plattform Mahara angefertigt.

Das Lehramtsstudium an der Universität Konstanz gewährt den Studierenden sehr viel Freiheit hinsichtlich der Organisation ihres Studiums, sodass das ePortfoliokonzept entsprechend offen gestalten sein muss. Die Studienordnung sieht eine verpflichtende Umsetzung der (e)Portfolioarbeit ausschließlich in den Praxisphasen vor (vgl. RahmenVO-KM). Deswegen soll das ePortfolio an der Universität Konstanz ein Bestandteil einzelner Veranstaltungen werden. Dies hat den Vorteil, dass das ePortfolio über das gesamte Studium präsent ist und sich somit die Verbindlichkeit dieses studienbegleitend zu führen erhöht. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass die einzelnen Veranstaltungskonzepte auch ePortfolio-kompatibel sind. Das ePortfolio soll sinnvoll und logisch in die Lehre integriert werden und nicht als zusätzlicher Aufwand von den Studierenden und auch Lehrenden verstanden werden. Generell muss die Bedeutsamkeit des ePortfolios für die Studierenden geklärt werden, um die Akzeptanz gegenüber diesem zu steigern. Dies erreicht man zum einen durch gute und sinnvoll umgesetzte ePortfolioarbeit und zum anderen durch die Honorierung der Arbeit durch Leistungspunkte.

Erfahrungsberichte

Derzeit nutzen vor allem engagierte FachdidaktikerInnen das ePortfolio zur Lernbegleitung in ihren Lehrveranstaltungen und machen damit sehr gute Erfahrungen, so dass sie das ePortfolio auch zukünftig nutzen werden:

„Die Arbeit mit dem ePortfolio war aus Dozentensicht sehr fruchtbar, da man von Sitzung zu Sitzung den Lernfortschritt beobachten und direkt Eingreifen/ Nachjustieren kann, wenn man merkt, dass etwas nicht oder nur ungenügend verstanden wurde. Was den StudentInnen noch fehlt, ist das Wissen darüber, was genau eine gute Reflexion ausmacht. Nicht zu verachten sind jedoch der enorme Korrektur- und Zeitaufwand. Von StudentInnenseite gab es die Rückmeldung, dass durch die wöchentlichen Aufgabenstellungen und das Wissen, dass die Dozentin jede Woche überprüfen kann, wer was eingereicht hat, auch der Druck da war, die Aufgaben regelmäßig zu erfüllen und den Inhalt der Sitzung zu wiederholen und zu vertiefen. Dies führt zu einem nachhaltigen Lernerfolg. Gut angeleitet, ist Mahara für die StudentInnen ein gutes Reflexionsinstrument, das sie durch das ganze Studium und eventuell auch darüber hinaus begleiten sollte.“

„Besonders das kontinuierliche direkte Feedback durch die Studierenden hat mir sehr gut gefallen. Das Portfolio als Austauschplattform und Kommunikationsmittel war sehr praktisch. Durch die Reflexion, die wir über Mahara implementiert haben, gab es auf beiden Seiten interessante Einblicke. Auch wurden die Studierenden im Laufe des Semesters immer besser darin, sich selbst zu betrachten und zu reflektieren. Der große Vorteil liegt meiner Meinung nach daran, dass die Lehre sich weiter von der „Einbahnstraße“ von Dozent zu Studierenden entfernt und sich mehr zu einem Dialog entwickelt. Auch kann ich so viel individueller merken, bei wem es welche Probleme gibt, aber auch sehr guten Studierenden individuell zusätzliches Material oder weitergehenden Input geben. Auch kann ich die Aufmerksamkeit der einzelnen Studierenden ganz unterschiedlich lenken und sie so bei ihrer Entwicklung unterstützen.“

EPASS in Zahlen

  • 393 Mahara-NutzerInnen seit 09/2017

  • in 8 Lehrveranstaltungen wurde im SoSe2018 Mahara genutzt

  • in 9 Lehrveranstaltungen wurde im WS2018/19 Mahara genutzt

  • in 10 Lehrveranstaltungen wird Mahara im SoSe 2019 genutzt

  • 12 Lehrpersonen arbeiten aktuell mit Mahara bzw. haben bereits mit Mahara gearbeitet

  • pro Semester werden 3-4 Mahara-Einführungsveranstaltungen angeboten

  • jährliche Weiterbildungsveranstaltungen für Lehrende

(Stand 09/2019)