Binationales Forschungskolloquium der BiSE WS-2022/23
Bild: Univ. Konstanz

Binationales Forschungskolloquium der BiSE (WS 2022/23)

Programm und Anmeldung zum Forschungskolloquium zu Forschungs- und Qualifikationsprojekten im Bildungsbereich - 25. Okt. 2022 bis 7. Feb. 2023

Das Binationales Forschungskolloquium der Binational School of Education verfolgt das Ziel des kollegialen Austauschs und der Diskussion über Forschungs- und Qualifikationsprojekte zum Bildungsbereich, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden können. Dabei werden Themen, Fragestellungen und Forschungsmethoden in den jeweiligen Fach- und Bildungskontexten näher beleuchtet und zugleich eine Brücke über Fächer- und Ländergrenzen hinweg gebildet. 

Das Forschungskolloquium richtet sich an Forschende und weitere Interessierte der PHTG und der Universität Konstanz und dabei insbesondere an den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Das Forschungskolloquium findet ab dem 25. Okt. 2022 bis zum 7. Feb. 2023 jeweils dienstags um 15.30 - 16.30 Uhr online per Zoom statt, sodass ein niederschwelliger Zugang für alle Interessierten gewährleistet ist. Zur Teilnahme füllen Sie bitte das unten aufgeführte Anmeldeformular aus. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Programm

22. Nov. 2022 - KI im Fach Geschichte – Wie künstliche Intelligenz bei der inhaltlichen und sprachlichen Beurteilung von Schülerantworten genutzt werden kann

Di. 22.11.2022, 15.30-16.30 Uhr

Historisches Denken ist mehr als eine Ansammlung chronologisch erzählter Daten und Fakten, sondern Schüler:innen sollen lernen, mit Narrativen (z.B. in Schulbüchern) kritisch umzugehen und auf Fragen an die Vergangenheit quellen- und evidenzbasierte Antworten zu geben. Historisches Denken ist also untrennbar mit der Sprache verbunden. Daher werden die Kompetenzen historischen Denkens häufig in offenen Aufgabenformaten erfasst. Um eine objektive, reliable und valide Beurteilung der Texte in Forschungsprojekten sicherzustellen, ist der Nachweis einer Interrater-Reliabilität notwendig. Diese ist in groß angelegten Studien mit einem hohen Ressourcenaufwand verbunden. Daher gingen wir in einem interdisziplinären Projekt von Geschichtsdidaktik, Computerlinguistik und Empirischer Bildungsforschung der Frage nach, ob und wie künstliche Intelligenz in Form computerlinguistischer Methoden für die Auswertung von Schülerantworten im Fach Geschichte genutzt werden können und adressierten als Forschungsfragen, (1) ob mit Hilfe von Automatic Content Assessment die Richtigkeit von Schülerantworten und (2) ob mit Hilfe von Linguistic Complexity Assessment die sprachliche Komplexität der Schülerantwort automatisiert beurteilt werden kann. Die Studie nutzt die Daten von 141 Schülerantworten bezogen auf sieben Fragen zu der Massendemonstration in Leipzig am 9.10.1989, die den Verlauf der Friedlichen Revolution in der DDR entscheidend beeinflusste.

ReferentInnen: Jun.-Prof. Dr. Christiane Bertram (Universität Konstanz), Zarah Weiss (Universität Tübingen), Lisa Zachrich (Universität Tübingen) & Dr. Ramon Ziai (Universität Tübingen)

29.11.2022 - Neuer Termin: Looking like a pro: Was uns die Augenbewegungen von MINT-Studierenden über das Lernen verraten

Das ursprünglich für den 29. Nov. 2022 geplante Thema "NO BIAS - Interventionsmöglichkeiten bei Stereotypen im Schulkontext" fällt aus.

Neuer Termin: "Looking like a pro: Was uns die Augenbewegungen von MINT-Studierenden über das Lernen verraten"

Di. 29.11.2022, 15.30-16.30 Uhr

Diagramme, Gleichungen, Messwerttabellen, Texte. In MINT-Studiengängen vermitteln wir, mit diesen und anderen Repräsentationsformen umzugehen, sie zum Lernen und zum Problemlösen zu nutzen. Mit Eye-Trackern ist es möglich, die visuelle Aufmerksamkeit von Studierenden beim Interpretieren und Nutzen dieser Repräsentationen zu messen, ohne dabei störend Einfluss auf die Gedankenprozesse nehmen zu müssen. Durch kontrollierte Studien in Lern-, Problemlöse- und Experimentiersituationen gewinnen wir dadurch Erkenntnisse über studentische Lernschwierigkeiten, Komplexität von Aufgabenstellungen und Expertise, die uns helfen, Lernmaterialien bestmöglich anzupassen. Im Vortrag gehe ich auf eigene empirische Studien ein, die das Verständnis von Repräsentationen mittels Eye-Tracking adressieren. Ich möchte dabei bewusst die empirisch-forschende Seite der Physik-Didaktik vermitteln und Einblick in Forschungsfragen und Methoden der Disziplin geben, die sich an den Schnittstellen zwischen den Fachwissenschaften und den Kognitionswissenschaften verorten. 

Referent: Prof. Dr. Pascal Klein (Professor für Fachdidaktik der Physik, Universität Göttingen)

6. Dez. 2022 - Blickverhalten beim Experimentieren mit Augmented Reality – eine Eye-Tracking-Studie

Di. 6.12.2022, 15.30-16.30 Uhr

Unerlässlich sind Experimente für den Chemieunterricht und folgen einem bestimmtem Schema: Ausgehend einer Frage wird eine Hypothese aufgestellt, welche das Experimentieren und dessen Beobachtung auf makroskopischer Ebene lenkt. Die Deutung erfolgt dann oft auf submikroskopischer und symbolischer Ebene. Alle drei Ebenen können mit Augmented Reality (AR) gleichzeitig angeboten werden. Das Blickverhalten von SuS bei verschiedenen Ausprägungen der Gestaltungsmerkmale von AR-Lernumgebungen (Krug et al, 2021), die sich auf die Gestaltungsprinzipien beziehen (Schmidkunz, 1990; Mayer, 2017), geben uns daher erste Aufschlüsse speziell für die Gestalt von AR beim Experimentieren. Wir präsentieren erste Ergebnisse, wie die SuS die virtuelle Anreicherung (AR) während des Experiments mit ihrem Blick wahrnehmen.

Referentin: Dr. Sabrina Syskwoski (Univ. Konstanz)

13. Dez. 2022 - Medienwissenschaft trifft Fachdidaktik: Das Projekt "Soziale Medien im Deutschunterricht" als interdisziplinärer Beitrag zur digitalen Lehrer_innenbildung

Di. 13.12.2022, 15.30-16.30 Uhr

Social Media-Plattformen wie Instagram oder Tiktok fungieren, insbesondere im Leben von Heranwachsenden, als digitale Räume des  Austauschs und der Zirkulation von Informationen und zugleich als Orte des informellen Lehrens und Lernens. Hier bildet sich eine digitale Literalität heraus, die zugleich einer reflektierten Auseinandersetzung bedarf, um Potentiale wie Risiken der digitalen Kommunikation zu erkennen und nutzbar zu machen. Der Deutschunterricht mit seinen Kernkompetenzen des Lesens und Schreibens ist dafür ein prädestinierter Ort. Angehende, aber auch etablierte Lehrer_innen müssen sich dafür entsprechende Wissensbestände und Kompetenzen aneignen, die sie am Ende des Fachstudiums oder aus der eigenen Medienpraxis nicht zwangsläufig besitzen - zumal die digitalen Anwendungen einem stetigen und beschleunigten Wandel unterliegen. In einem zweisemestrigen Lehr- und Forschungsprojekt an der Universität Konstanz  - gefördert durch das BiSE-Förderprogramm  „Freiräume für die digitale Lehrerinnen- und Lehrerbildung“ - haben Lehramtsstudierende des Faches Deutsch unter der Leitung von Isabell Otto (Professorin für Medienwissenschaft) und Christian Heigel (Lehrender für Fachdidaktik Deutsch) eine digitale Lehr-Lernplattform entwickelt, die Lehrende zukünftig bei diesem Prozess unterstützen soll. Im dazugehörigen Projektseminar fanden Formen der digitalen Bildung auf doppelte Weise Anwendung, indem digitale Tools als Lernmedium und Lerngegenstand gleichermaßen fungierten. Im Vortrag sollen Ziele, Aufbau und Durchführung des Projekts beleuchtet sowie Chancen und Herausforderungen reflektiert werden.

Referent: Christian Heigel (Univ. Konstanz)

10. Jan. 2023 - Virtual Reality als Lehr-/Lernmedium an beruflichen Schulen: Ergebnisse einer explorativen Studie im kaufmännischen Berufsschulunterricht

Di. 10.01.2022, 15.30-16.30 Uhr

Mit dem Einsatz von Virtual Reality (VR) gehen neuartige Möglichkeiten zur Gestaltung von Lernumgebungen einher, die sich auch im Bereich der beruflichen Bildung niederschlagen, beispielsweise in der Simulationen berufstypischer Abläufe. Da der Einsatz von VR bislang vereinzelt in allgemeinbildenden oder technisch-gewerblichen Schulen eingesetzt wird, liegen für die kaufmännische Berufsbildung bis dato kaum belastbare Befunde über Effekte der VR- Nutzung vor. Darüber hinaus gibt es in der der Literatur Hinweise darauf, dass der Wissens- erwerb in VR-gestützten Unterrichtssettings durch auftretende Motion Sickness Effekte beein- trächtigt werden kann. Der Beitrag befasst sich aus diesem Grund insbesondere mit der Frage, inwiefern der Einsatz von VR-Technologien zum Erwerb domänenspezifischer Kompetenzen beiträgt. Zudem soll die Frage aufgegriffen werden, welche Bedeutung Motion Sickness Effekte im Hinblick auf den schulischen Lernerfolg einnehmen.

Auf Basis einer quasi-experimentellen Feldstudie mit Pre-, Post-Test-Designs wurde eine VR- basierte Unterrichtsserie mit Auszubildenden im Fach Betriebswirtschaft durchgeführt. Durch das Experimental-Kontrollgruppen-Design konnte ein Vergleich zu einem nicht-VR-basierten Unterricht ermöglicht werden. Als Stichprobe wurden vier Klassen im Ausbildungsberuf Verkäufer*in (1. Lehrjahr) herangezogen (N=91). Die Ergebnisse weisen auf eine Überlegenheit von VR im kaufmännischen Berufsschulunterricht hin. Gleichzeitig sind Motion Sickness Effekte zu beobachten, die den Lernerfolg aber nicht maßgeblich beeinflussen.

Die Studie liefert erste Erkenntnisse zum VR-basierten Lehren und Lernen in der kaufmännischen Berufsausbildung. Mit Blick auf die Bildungspraxis werden hierdurch wichtige Hinweise über (fach-)didaktische Gelingensbedingungen und Wirkungsweisen von VR-gestützten Unterrichtssettings gewonnen.

Referenten: David Kablitz, Dr. Matthias Conrad, Prof. Dr. Stephan Schumann (Universität Konstanz, Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik II)

17. Jan. 2023 - Schülerinnen und Schüler blicken auf ihre Primarschulzeit zurück: Bedeutung des Lehrpersonenhandelns für ihre Motivation, ihr Lernen und ihr Wohlbefinden

Di. 17.01.2023, 15.30-16.30 Uhr

Es gilt heute als unbestritten, dass motivational-affektive Faktoren als eigenständige Zielgrössen schulischer Förderung Beachtung verdienen, dies unter anderem darum, weil sie nebst ihrer funktionalen Bedeutung für das Lernen auch mit Wohlbefinden assoziiert sind. Der Fokus dieses Beitrags richtet sich auf die Sicht von Schüler:innen (SuS) am Ende ihrer Primarschulzeit. Zirka 350 SuS der sechsten Klasse (HarmoS: 8. Jahrgangsstufe) wurden als "Expertinnen und Experten" für Schule angesprochen. Sie teilten auf freiwilliger Basis mit, was Lehrpersonen tun (oder nicht tun) sollten, damit Kinder in der Schule motiviert sind, gut lernen können und sich wohlfühlen. Basierend auf den transkribierten SuS-Antworten (offenes Antwortformat) wurden im Wechsel von Induktion und Deduktion inhaltsanalytische Kategorien gebildet. Im Rahmen des Beitrags werden die Fragestellung hergeleitet, das methodische Vorgehen expliziert, die Ergebnisse dargestellt und vor dem Hintergrund bisheriger Erkenntnisse zu Wohlbefinden, Motivation, Emotion und Unterrichtsqualität verortet und diskutiert.

Referentinnen: Prof. Dr. Iris Dinkelmann (Pädagogische Hochschule Thurgau) & Linda L. Isler (Universität Zürich)

31. Jan. 2023 - Förderung von gruppenübergreifenden Freundschaften und Inklusion in der Schule: Jüngste Erkenntnisse aus dem Freundschaftsprojekt

Di. 31.01.2023, 15.30-16.30 Uhr

Die aktuelle randomisierte Kontrollstudie (N = 1019, Klassen 3-6) evaluiert die Intervention „Freundschaften fördern“, die auf Lehrpersonen- und Kinderebene ansetzt und darauf abzielt, die soziale Teilhabe aller Kinder zu ermöglichen, indem sie positive soziale Beziehungen zwischen Kindern und ein besseres Verständnis für Gruppendynamiken fördert. Erste Ergebnisse in Bezug auf Freundschaftsnetzwerke und Intergruppen-Wahrnehmungen werden präsentiert.

ReferentInnen: Prof. Dr. Jeanine Grütter (Univ. Konstanz, Hochschule für Pädagogik, Luzern), Carmen Barth (Univ. Konstanz), Zoran Kovacevic (ETH Zürich)

7. Feb. 2023 - Zürcher Lernverlaufserhebung: Erfassung von sozial-emotionale Kompetenzen von der frühen Kindheit in die Adoleszenz

Di. 7.2.2023, 15.30-16.30 Uhr

Die Bildungsdirektion Zürich lancierte eine Längsschnittstudie zur Kompetenzentwicklung über die obligatorische Schulzeit, d.h. über die Altersspanne von vier bis 16 Jahren. In der Gesamtstudie sollen neben der Untersuchung der Lernverläufe von schulischen Kompetenzen auch die sozial-emotionalen Kompetenzen längsschnittlich erfasst werden. Im Teilprojekt Perren (durchgeführt an der der PHTG) wird der Bereich sozial-emotionale Kompetenzen konzeptionalisiert und methodisch begleitet. Im Kolloquium wird das Erhebungskonzept vorstellt und erste Erfahrungen aus den Pilotierungen berichtet.

Referentin: Prof. Dr. Sonja Perren (Universität Konstanz und Pädagogische Hochschule Thurgau)

Anmeldung

Anmeldung zum binationalen Forschungskolloquium

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